PERRY-RHODAN-Kommentar 2339


KOLONNEN-TECHNIK (II)


Im Defensivbereich macht vor allem die Kombination von Dunkelschirmen und Fraktalen Aufriss-Glocken Probleme, wobei derzeit noch nicht einmal genau gesagt werden kann, ob die Kolonnen-Einheiten beide Systeme ohne Einschränkung gleichzeitig einsetzen können.

Dunkelschirme sind eine Kombination aus Deflektor, Ortungsdämpfer und Schutzschirm, deren Abwehrkapazität grob einem Paratronschirm entspricht. Für normale Ortung und Tastung ist ein von einem Dunkelschirm geschütztes Objekt praktisch nicht existent – einzige Ausnahme ist bislang der Einsatz der Kantorschen Ultra-Messwerke. Dunkelschirme sind optisch schwer wahrnehmbar und erwecken den Eindruck, als würde in der Umgebung »etwas fehlen«. Nur wer sich konzentriert, bemerkt eine Art tanzenden Schatten. Wird aus dem Inneren eines Dunkelschirms heraus agiert, beispielsweise geschossen, wird diese Schatten-Wahrnehmung natürlich deutlich lokalisierbar.

Die Fraktalen Aufriss-Glocken bilden ein Netz aus Strukturrissen mit einem fraktalen Muster, das Belastungen in Form von Masse wie Energie in den Hyperraum abstrahlt. Solange keine Fremdkörper und keine Energie das Netz zu passieren versuchen, bleiben diese Maschen grob gewebt, die Risse sind dünn, die Knoten liegen in der Regel mehrere Meter auseinander. Im Augenblick eines Angriffs oder einer sonstigen Belastung entstehen jedoch weitere Verästelungen, die das Netz enger und enger weben. Während der maximale Ableitungsbereich normaler Paratronschirme der Schirmfeldoberfläche entspricht, vergrößert er sich bei der Fraktalen Aufriss-Glocke also aufgrund der fraktalen Struktur der stark »gefältelten« Einzelaufrisse.

Hinzu kommt die ohnehin höherwertige Natur dieser »Hybridschirme«, deren Paratronkomponente mit pedogepolter Kapazität im ultrahochfrequenten Bereich des hyperenergetischen Spektrums zwischen etwa 0,95E+15 bis 3,9E+15 Kalup »supratronisch aufgeladen« ist – vergleichbar der Individualaufladung durch Báalols. Neben den »normalen« fünfdimensional-ultrahochfrequenten sind somit sechsdimensionale Anteile vorhanden, die beispielsweise sogar vom Konstantriss-Nadelpunkt-Röhrenfeld der sonst so leistungsfähigen Dissonanz-Geschütze nicht geschwächt oder durchdrungen werden können.

Auch die offensiven Kräfte der Kolonne haben es in sich – zum Einsatz kommen multifunktionale Energiegeschütze mit Kombistrahlwirkung. Im einfach lichtschnellen Bereich mit Kernschussweiten bis zu etwa 300.000 Kilometern gibt es neben den normalen Paralysatoren, Desintegratoren und Thermostrahlern den Kern-Fernzünder-Modus, mit dem jede getroffene Materie zum spontanen Atomzerfall angeregt wird. Die quasi zeitverlustfrei arbeitende überlichtschnelle Wirkung mit Kernschussweiten bis zu 15 Millionen Kilometern gleicht einerseits dem einer Intervallkanone und kann als Dauerstrahl, gepulst oder als Burst abgestrahlt werden, während die zweite Wirkung einem Paratron-Aufriss entspricht, der einen Durchmesser von bis zu 2000 Kilometern erreicht und alles in den Hyperraum abstrahlt.

Die Potenzialwerfer schließlich erzeugen am angegriffenen Ziel bis etwa maximal 25 Kilometer Durchmesser für rund eine tausendstel Sekunde eine Wirkung bis zu 1,2E+11 Gravos – als würde für eben diese Zeit direkt im Ziel ein Neutronenstern entstehen. Die Reichweite dieses überlichtschnell erzeugten Gravo-Effektes – auch als »Implosionskern eines projizierten Pseudo-Neutronensterns« umschrieben – liegt bei 5,3 Millionen Kilometern. Ergebnis eines direkten Treffers sind ultrakomprimierte Reste von »entarteter Materie« mit einer Dichte von rund 90 kg/cm3.
Der Primärenergieeinsatz des Potenzialwerfers ist vergleichsweise gering, weil der Pseudo-Neutronenstern nicht durch die Waffe selbst erzeugt wird, sondern Ergebnis einer Fokussierung ist: Das in Form von Hyperbarie im Hyperraum angesiedelte Gravitations- und Masse-Äquivalent nahe stehender Sonnen wird ähnlich der Bündelung von Sonnenlicht durch eine Linse hyperphysikalisch auf das gewünschte Ziel fokussiert und bewirkt beim Hyperbarie-Äquivalent der zu treffenden Materie eine »Anregung«, die im Standarduniversum als kurzfristiger Gravo-Effekt in Erscheinung tritt.

Der vierdimensional-konventionelle Anteil der betroffenen Materie behält den ultrakomprimierten Zustand, obwohl hochgradig instabil, bis die Hyperbarie-»Anregung« nach rund einer Stunde wieder auf das normale Niveau zurückgefallen ist. Der extrem verdichtete Klumpen dehnt sich dann mit der Wucht einer Gigatonnenbombe explosionsgleich wieder aus. Was nicht direkt getroffen und kollapsartig komprimiert wird, erleidet durch die Sekundäreffekte des Gravo-Schocks dennoch im Allgemeinen vernichtende Schäden.

Rainer Castor