PERRY-RHODAN-Kommentar 2323


KÄFIG-TRANSMITTER


Als am 25. Mai 1975 im 27 Lichtjahre entfernten Wegasystem Strukturerschütterungen der Transitionen von mehr als 120 Raumschiffen angemessen wurden, brach Perry Rhodan auf, um »nachzusehen«. Einerseits, weil eine Entdeckung der Erde zu befürchten war, andererseits, weil Crest im Wegasystem die von ihm gesuchte »Welt des Ewigen Lebens« vermutete. Auftakt zur Lösung des Galaktischen Rätsels war das von John Marshall aus den Gedanken des ferronischen Thort geesperte Wissen über eine versiegelte Gruft unter dem Roten Palast, errichtet von Wesen, die berichtet hatten, sie würden »länger als die Sonne leben«. Von ihnen stammten auch die Käfig-Transmitter, die die Ferronen verwendeten.

Wie sich nach dem Hyperimpedanz-Schock herausstellte, waren es gerade jene als längst veraltet und überholt geltenden Käfig-Geräte, die im Gegensatz zu den modernen Torbogen- und sonstigen Versionen mit der Erhöhung der Hyperimpedanz keine Probleme hatten. Bei den anderen Transmittern waren dagegen bereits vorher starke Beeinträchtigungen aufgetreten, zu denen neben einer massiven Reduzierung der Reichweite vor allem Transportunfälle gehörten, meist verbunden mit der Wahrscheinlichkeit von 50, 75 oder mehr Prozent, komplett im Hyperraum zu verwehen.

Nicht nur beim BACKDOOR-System zur Überwindung interstellarer Distanzen wird deshalb wieder konsequent auf die alte Käfig-Technologie gesetzt. Sie arbeitet grundsätzlich störungsfrei, wenngleich mit einem rund 20fach erhöhten Energieverbrauch, sofern die Transportstrecke ein bis zwei Lichtjahre nicht überschreitet. Bis zur so genannten Transmissions-Reichweitenbegrenzung, die bei etwa fünf Lichtjahren liegt und auch für Transitionen gilt, steigt der Energieverbrauch rasch weiter an; größere Strecken bedürfen deshalb der Sonnenzapfung zur Versorgung.

Bei einem Transmitter wird stets das Objekt als Ganzes eingebunden. Am anschaulichsten ist das bei den Käfig-Transmittern, in deren Innerem das Transportfeld entsteht. Genau wie beim Transitionstriebwerk kommt ein hyperenergetisches Strukturfeld zum Einsatz, das das Objekt vollständig einhüllt und zum Bestandteil des höhergeordneten Kontinuums macht, gleichzeitig aber verhindert, dass die entstofflichte Materie im Hyperraum »verweht«. Der Unterschied zur Transition ist hierbei nur, dass der notwendige »Abstoßimpuls« einerseits von außen verliehen wird, während andererseits bei normalen einpoligen Transmittern ein »Empfängers« nötig ist, um dem auch im Hyperraum weiterhin von dem Feld umschlossenen, wenngleich entmaterialisierten Objekt seine Stofflichkeit zurückzugeben. Letzteres passiert bei der Transition »automatisch«.

Darüber hinaus handelt es sich beim Transmitterdurchgang um einen Prozess, der quasi »von Null auf Überlicht« springt und nicht auf eine »Mindest-Sprunggeschwindigkeit« zurückgreifen kann. Deshalb ist hierbei der Vektor des Abstoßimpulses und die ihm immanente hypermotorische Kraft nur die halbe Miete. Um am angestrebten Ziel wieder stofflich stabil zu werden, bedarf es zur Rekonstitution des Eingriffes beim Empfangsgerät, der quasi einem »Käscher« gleichkommt (siehe PR-Kommentare 2141 bis 2143).

Das Prinzip gilt natürlich auch für Torbogentransmitter, bei denen ebenfalls zunächst ein vollständiges »Eintauchen« in das Transportfeld stattfinden muss, ehe der eigentliche Transport einsetzt. Eine Teilversetzung – zum Beispiel beim Hineinstrecken einer Hand – findet nicht statt. Genau diese Projektionsweise des Strukturfelds hat sich bei näheren Untersuchungen als das Manko der Torbogentechnologie erwiesen. Meist von zwei Säulenprojektoren erstellt, spannt das Strukturfeld »freitragend« auf und ist – weil über längere Zeit projiziert – extrem empfindlich. In früheren Zeiten konnten Feldfluktuationen schnell nachjustiert und ausgeglichen werden, so dass ein »Flattern« verhindert wurde. Seit der Erhöhung der Hyperimpedanz gelingt dies nicht mehr – jedenfalls nicht mehr gut genug, um einen gefahrlosen Einsatz zu garantieren –, weil sich die Projektionsweise als zu anfällig auf äußere Störungen erwiesen hat.

Die Käfig-Technologie bietet dagegen in dreifacher Hinsicht Vorteile: Erstens wird das Strukturfeld innerhalb des Gitters aufgebaut, das als Ganzes als Projektor dient, ein »dichteres« und somit robusteres Strukturfeld erzeugt. Zweitens ist die Strukturfeldprojektion auf die geringe Dauer der Transmission an sich beschränkt. Drittens wirkt der Käfig als Abschirmung nach außen, so dass Störeinflüsse abgehalten werden und das Strukturfeld nicht beeinflussen. Somit ist es gerade die weniger auf Eleganz und mehr auf Robustheit und Einzeltransport ausgelegte Arbeitsweise, die den Käfig-Transmittern ihren jetzigen Vorteil verschafft.

Rainer Castor