PERRY-RHODAN-Kommentar 2206


DIE MYTHEN VON BAIKHAL CAIN


Absturz in Keyzing, dem Land der seehundartigen Keyze, in dem die an aufrecht gehende Waschbären erinnernden Vay Shessod leben.

Über den Khalischen Ozean an der Küste des Kontinents Fairan entlang nach Süden, die Begegnung mit den Wasserwesen, die den aus der Milchstraße bekannten Solmothen gleichen. Der rätselhafte Verfolger mit dem Hovertrike.

Gefangen im Heiligen Berg mit seinem offensichtlich aus einer Form von Psi-Materie bestehenden Schaumopal, dessen Abbauquote von den Kybb-Cranar offensichtlich seit dem Emporschnellen der Hyperimpedanz massiv erhöht wurde.

Schließlich die Wälder von Pardahn, das Rückzugsgebiet der sehr menschenähnlichen Motana ...

Die Stationen der bisherigen Odyssee von Perry Rhodan und Atlan auf Baikhal Cain, dem erdähnlichen Planeten einer roten Sonne mit seinen beiden Monden, sind an sich schon »abenteuerlich«.

Aber damit nicht genug. Quasi bei jedem Schritt werden die beiden Unsterblichen mit den hiesigen Erzählungen und Mythen konfrontiert.

Noch ist nicht klar, wie groß das berüchtigte Körnchen Wahrheit ist, das erfahrungsgemäß in jeder vergleichbaren Geschichte steckt. Da die Überlieferungen überall weitgehend gleich lautenden Inhalt haben, dürfte es die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es sich nicht nur um pure Hirngespinste handelt.

Hinzu kommen noch die eigenen Erlebnisse der beiden Männer wie zum Beispiel der »Traum« von der humanoiden, blauhäutigen Frau. Rhodan wie Atlan beschrieben ihren Schädel als völlig kahl, die Augen als eisgrau. Ihre silbernen Fingernägel erinnerten an Raubtierkrallen. Sie schwebte über ein Tal voller Gold und einen gewaltigen Gletscher bis zu einem Tempel, der in Zeitlosigkeit erstarrt war. Dort drehte sie sich um. In ihrer Haltung lag eine Selbstsicherheit und Arroganz, als sei sie eine Königin, die ihr Reich durchschritt.

Von den Vay Shessod war dann zu erfahren, dass Keyzing als das legendäre Exil der Medialen Schildwache gilt, nach ihrer Überzeugung ein verzaubertes Gebiet. Viele seien schon auf die Trugbilder der Medialen Schildwache hereingefallen, ihnen gefolgt und in den Kältetod marschiert ...

Angeblich haben die Kybb-Cranar mit ihren Raumschiffen und Gleitern Jahrzehnte nach der Schildwache gesucht, sie aber nie gefunden, obwohl offensichtlich ein »mentaler Einfluss« das Land durchdringt. Seither gilt Keyzing als unberührtes Gebiet, nie habe seitdem jemand außer den Vay Shessod seinen Fuß auf die Gletscher von Keyzing gesetzt.

Weiterhin erfuhren Rhodan und Atlan von der von Generation zu Generation tradierten Legende, nach der einst gütige Herrscher den Sternenozean regierten, die Schutzherren von Jamondi, denen ihre Herolde zur Seite standen, eben die Schildwachen. Der berühmte Choral Dank an den Schutzherrn nennt als Namen Jopahaim.

Doch einer der Schutzherren erwies sich als Verräter. Seine Revolte, bekannt geworden als die Kybernetischen Nächte von Barinx, auch als Blutnacht von Barinx bezeichnet, fegte das Regnum der Schutzherren hinweg.

Die Schildwachen der Schutzherren wurden in die Flucht geschlagen, jeder in ein eigenes, unauffindbares, zeitloses Exil. Seitdem beherrschen der Verräter und seine Untertanen, die Kybb, den Sternenozean.

Das Land Keyzing gilt als das unantastbare Exil der Medialen Schildwache, während die übrigen Schildwachen, soweit sie die Blutnacht überlebten, auf anderen Planeten des Sternenozeans ewige Zuflucht suchten.

Die Motana waren ihrer Überlieferung nach in dieser früheren, glücklicheren, lange zurückliegenden Zeit einmal das zahlenmäßig dominierende Volk im Sternenozean. Sie hatten sich über ganz Jamondi ausgebreitet, waren treue Untertanen der Schutzherren. Damals beherrschten die Kraft der Psyche und die Macht der Moral den Sternenozean.

Die Motana galten als die anpassungsfähigste Spezies, verloren aber unter der Herrschaft der Kybb-Cranar jegliche Kontakte untereinander und besetzen heutzutage allenthalben nur noch Nischen – während die Kybb-Cranar und andere Günstlinge der Kybb-Roben, die Techniker des Sternenozeans, sich mehr und mehr ausgebreitet haben.

Wie das Ganze nun mit den Fragen der Aktivatorträger zusammenpasst, konnten ihnen weder die Vay Shessod noch die Motana sagen. Auch nicht, wie der rätselhafte Fremde namens Rorkhete, der angeblich einen neuen Schutzherrn sucht und dem die Motana mit höchster Ehrerbietung begegnen, in dieses Bild passt ...

Rainer Castor