PERRY-RHODAN-Kommentar 2174


ZEITREISEN UND ZEITSCHLEIFEN (III)


Die Schaffung der Nakken durch ESTARTU, mit deren Hilfe dann die Verwirrung von ES aufgehoben wurde, fällt ebenfalls unter die Rubrik Zeitschleife: ES sandte durch Raum und Zeit einen Hilferuf an ESTARTU aus, der diese rund fünfzigtausend Jahre zuvor erreichte und sie veranlasste, aus den Nakken ES-Sucher zu machen, mit der endgültigen Bestimmung, ES mit Hilfe der Zellaktivatoren von den Psionischen Informationsquanten – Psiqs – zu befreien (PR 1599).

Hintergrund war, dass der Kosmokrat Taurec, als ihm im Jahr 429 NGZ der Weg hinter die Materiequellen verschlossen blieb, mit einer kosmischen Intrige begann; unter anderem manipulierte er das Kosmonukleotid DORIFER, um damit ES zu beeinflussen: Taurec wollte die Umwandlung der Superintelligenz in eine Materiequelle einleiten und ging heimlich vor im Bewusstsein, dass ES sich weigern würde, die Völker der Mächtigkeitsballung durch die dabei zwangsläufig erfolgende Verdichtung der vorhandenen Sternenmassen zu vernichten.

Um die Bildung einer Materiequelle voranzutreiben, versuchte Taurec, diejenigen Psiqs, die ES’ Entwicklung zu einer Materiesenke beinhalteten, am Rand DORIFERS zu sammeln und so zu beseitigen, doch sein Versuch scheiterte. Im Zusammenhang mit den Entwicklungen, die zum DORIFER-Schock führten, stieß das Kosmonukleotid die von Taurec zusammengetriebenen Psiqs aus. Sie bildeten ein gefährliches Koagulat, das in das Standarduniversum entwich, weil ES durch Taurecs Manipulationen zu einen Gegenpol geworden war. Noch während Taurec in DORIFER die entsprechende Impulsfolge abgab, kollabierte das Kosmonukleotid aufgrund des Hangay-Transfers am 28. Februar 448 NGZ, nachdem es schon zuvor instabil geworden war.

Die spontane Deflagration gewaltiger Mengen so genannten Parataus zwang das Kosmonukleotid, die rund 50.000 zuvor vorgenommene Manipulation des psionischen Netzes und der Psikonstante rückgängig zu machen. Mit dem Kollabieren kam es zu einer rätselhaften Veränderung von ES, die sich schließlich zu einem Zustand totaler Verwirrung ausweitete. Dennoch schaffte es die Superintelligenz, durch Raum und Zeit einen Hilferuf an ESTARTU aussenden. Bevor ES mit Hilfe der Zellaktivatoren am 15. Mai 1174 NGZ von den Folgen der Manipulation befreit werden konnte, zeitigte der Verwirrungszustand eine Reihe von Wirkungen, die in ihrer Konsequenz viel weitreichender waren, als es im ersten Moment schien.

Drei Tage zuvor hatte Atlan mit Hilfe des Extrasinns die These entwickelt, dass ES im Bestreben, innere Ausgeglichenheit zu erreichen, quasi eine alternative Wirklichkeit konstruierte, in der die Unsterblichen durch ihr »Versagen« verdient hatten, die Zellaktivatoren abgenommen zu bekommen. Atlans Meinung nach gehörte der Komplex um die Meister der Insel und ihre Geschichte ganz ohne Zweifel zu diesem »raumzeitlich-pararealen Verwirrspiel«, das visionäre Miterleben war bestenfalls ein »Möglichkeitsaspekt«!

Neben diesen Beispielen gab es noch eine Reihe weiterer, die belegten, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Zeitreisen in Schleifenstrukturen mündeten, deutlich höher war als die »Korrektur« im Sinne eines Zeitparadoxons: Der Versuch beispielsweise, Ribald Corellos Geburt durch eine Zeitkorrektur zu verhindern, scheiterte – auch hier erwies sich die »Trägheit der Zeit« als stärker (PR 410, 411).

Die Nullzeitdeformator-Expeditionen, mit denen gegen die Bedrohung durch den Todessatelliten vorgegangen werden sollte (PR 425 ff.), hatte unter anderem einen Technologietransfer zur Folge. Dieser bedingte einerseits den aus der Geschichte bekannten raschen Aufstieg der Lemurer, und damit wurde andererseits beim Vorstoß in die Zeit der cappinschen Bioexperimente überhaupt erst die Grundlage zum Aufstieg der lemurischen Zivilisation gelegt (PR 429). Und schließlich wurde die Zeitschleife geschlossen, als Ovaron sich selbst begegnete (PR 446).

Atlans Erlebnisse rings um die MdI-Zeitmaschine von Traversan mündeten gleichfalls in eine Zeitschleife, da er unter anderem auf Arkon III im Positronik-Forschungszentrum Katrok Hinweise gab, die die Entstehung des späteren Robotregenten begünstigten (ATLAN-Traversan 10 sowie 1 bis 12 allgemein).

Schließlich haben wir die »Große Zeitschleife« rings um die SOL, Rhodans Sohn Delorian und die ES-Entstehung; mit ihr wurden die Voraussetzungen geschaffen, die ES’ Teilnahme am DaGlausch-Thoregon bedingten, ohne die es wiederum die Rückversetzung der SOL nach Segafrendo nicht gegeben hätte (PR 2046). Mit Blick auf die jetzige Zeitreise in die Vergangenheit Tradoms stellt sich überdies die Frage, ob nicht auch diese Informationen ES zur Verfügung standen, schließlich sind ja Terraner beteiligt ...

Einer der wenigen Fällen einer gelungenen Zeitkorrektur im Sinne eines Zeitparadoxons fand im Rahmen des Spiels zwischen ES und Anti-ES statt – und hierbei stellt sich die Frage, inwieweit dieses Korrekturszenario nicht ohnehin Bestandteil des Spiels war (PR 621, 622).

Eine linear-kausale Betrachtung führt stets zu Logikfallen: Reist jemand in die Vergangenheit, um den eigenen Opa umzubringen, löscht er ja die eigene Existenz aus, wodurch es »eigentlich« gar nicht mehr zu ebendieser Zeitreise kommen kann, da ihr Grund wie auch der Verursacher der Korrektur nicht mehr existieren. Gibt es jedoch keinen Verursacher, kann wiederum »eigentlich« keine Korrektur durchgeführt werden, so dass Opa also am Leben bleibt und sich die Katze in den Schwanz beißt. Werden »alternative Zeitströme« oder entsprechende Paralleluniversen angenommen, bedeutet das in letzter Konsequenz jedoch, dass alles denkbare irgendwo im Multiversum realisiert ist und es vom »Beobachter« abhängt, was er nun als »seine Zeit« ansieht und was nicht ...

Der Plan der Eltanen ist wohl zum Scheitern verurteilt, nichts als maßlose Hybris – denn die Historie »beweist«, dass sie es nicht geschafft haben.

Rainer Castor