PERRY-RHODAN-Kommentar 2131


AARUS-JIMA


Die Legende spricht von einem unglaublichen Krieg vor etwa 160.000 Jahren, durch den die Aarus gezwungen waren, ihre sterbende Heimat Aar zu verlassen. So entstanden sechs Interstellare Wurme wie Aarus-Jima einer ist. Die wertvollsten Anlagen der sterbenden Heimat wurden damals demontiert und in den Orbit geschafft. So hatten die Überlebenden einen perfekten Start.

Aarus-Jima, die »Sphäre der Aarus«, ist einer von nur noch drei Wurmen, die als ewige Nomaden von Stern zu Stern streifen, die technischen Dienste in der Galaxis Tradom feilbieten und einander vielleicht alle hundert Jahre einmal treffen: Aarus-Jima, Aarus-Zorm, Aarus-Lufficim. Die restlichen drei, heißt es, sind in den direkten Dienst der Inquisition der Vernunft getreten und werden nun in den Fernen Kolonien eingesetzt.

Die Dienste der Aarus besitzen in der Galaxis Tradom einen hohen Wert. Aarus-Techniker können zwar nicht helfen, wenn es um den obersten Technik-Level in Tradom geht, nämlich den der Inquisition der Vernunft selbst. Wohl aber hinsichtlich des niedriger angesetzten, praktisch allgegenwärtigen Levels der Tradom-Zivilisationen. Dieser Level, über die gesamte Galaxis sehr heterogen aus Tausenden Quellen zusammengemixt, aus der Technik Zehntausender Völker, muss gepflegt werden.

Insbesondere geht es um die Kompatibilität verschiedenster technischer Ansätze. Die Unterschiede sind es, die häufig genug einen technischen Austausch erschweren, den Handel mit technischen Produkten behindern. Gerade wenn es um die Reparatur zugekaufter Großanlagen geht, die nicht der eigenen Technik entstammen, stehen viele Völker vor schwer lösbaren Problemen. Häufig kommen an solchen Punkten die Aarus ins Spiel. Denn sie allein sind es, die praktisch problemlos selbst die verschiedensten Ansätze beherrschen und miteinander zu verknüpfen vermögen. Komplexe Reparaturen sind oft nur von Aarus zu bewältigen.

Bei Aarus-Jima handelt sich um eine sechzig Kilometer lange und fünf Kilometer durchmessende Formation. Quasi die »Außenhaut« des Gebildes, die es zusammenhält und zu einem überdimensionierten Raumschiff macht, ist der weißlich leuchtende Wurmschirm – ein Energieschlauch, scheinbar aus einander überlappenden und miteinander verschmolzenen Sphären und Blasen zusammengesetzt.

Was sich im Inneren befindet – rund hundert Stationen, Gebäude und technische Anlagen, die sich über den gesamten Innenraum des Wurms verteilen –, lässt sich von außen nicht erkennen oder anmessen. Die vermeintliche Schlauchformation ist von variabler Kontur und Form und kann den aktuellen Erfordernissen angepasst werden. Je nach Bedarf können auch Strukturschleusen von Hohlblasenform geschaltet werden, um ohne Druckverlust ein- und ausfliegen zu können: Die Abbildung zeigt Scoutschiffe, die aus Aarus-Jima starten.

Der gesamte Innenraum ist nämlich mit atembarer Luft gefüllt. Zwar herrscht hier die Schwerelosigkeit des Weltalls, doch der Innendruck ist mit rund tausend Millibar etwa dem auf der Erde bei Normalnull vergleichbar. Die fehlende Schwerkraft bedingt, dass es nicht zu einem von einem Planeten her bekannten Druckgefälle kommt, wo mit zunehmender Höhe auch die Atmosphäre dünner wird. Das weißliche Leuchten des undurchsichtigen Schirms versorgt die Aarus mit Licht von allen Seiten und einer Durchschnittstemperatur von achtzehn Grad.

Die Größe des Innenraums und die notwendigerweise vorhandene Luftfeuchtigkeit bedingen, dass es ein »Kleinklima« gibt – es kommt also zur Wolken- und Dunstbildung, auf die Distanz betrachtet ist die Luft mitunter diesig. Kondensierte Feuchtigkeit kann jedoch wegen der fehlenden Schwerkraft nicht als Regen fallen, sondern formt frei schwebende Feuchtigkeitsperlen unterschiedlicher Größe, die wie alle Flüssigkeit infolge der Oberflächenspannung Kugelform annehmen, sofern sie nicht von außen angestoßen werden und in sich schwingen und »wackeln«. Umweltgeneratoren übernehmen die Aufbereitung und Steuerung von Zusammensetzung, Zirkulation und Feuchtigkeit.

Auf die Flugrichtung bezogen, wird von den Aarus der Wurm-Bug als Norden definiert, das Heck als Süden. Der Bug ist hierbei als eine Art riesengroßes Observatorium ausgearbeitet: Wer sich in der Zone hundert Meter vor dem Wurmschirm aufhält, nimmt von dort aus in kaum übertrefflicher Klarheit das vor ihm liegende All wahr – hierbei handelt es sich allerdings um eine einseitige Durchsichtigkeit, denn von außen ist der Wurmschirm überall undurchsichtig.

Mehr zu Aarus-Jima – und auch über das damit verbundene Sammeldatenblatt – findet sich im Report von PERRY RHODAN 2132 in der nächsten Woche.

Rainer Castor