PERRY-RHODAN-Kommentar 2087


NOCHMALS: KOSMONUKLEOTIDE (II)


Den Porleytern war es vor rund 2,2 Millionen Jahren gelungen, den Kurs des Frostrubins auf statistischem Weg zu ermitteln und festzustellen, daß er als nächstes mit einer sterbenden, aus degenerierter Materie bestehenden Miniaturgalaxis kollidieren würde. Es gelang ihnen, dieser Miniaturgalaxis einen erheblichen zusätzlichen Drall zu verleihen, so daß der Frostrubin, als er mit der sterbenden Galaxis in Berührung kam, ungeheure Mengen reiner Rotationsenergie in sich aufnahm, die sich als »unverdaulich« erwies: Bis an den Rand seiner Kapazität mit einer nicht verarbeitbaren Energieform gefüllt, wurde der Frostrubin verankert.

Er befand sich seither an diesem Ort, der vom Zentrum der Milchstraße rund 30 Millionen Lichtjahre in Richtung der Galaxis Norgan-Tur entfernt war. Für Seth-Apophis war der Schock deutlich geringer als zunächst von ihr erwartet. Zwar hatte die Superintelligenz mit der Bändigung des Frostrubins einen Teil ihrer Bewegungsfreiheit verloren. Aber der befürchtete Angriff auf das Bewußtseinsreservoir war ausgeblieben. Das Konglomerat im Inneren der Blase, das die Superintelligenz ausmachte, existierte weiterhin, und ebenso konnte mit dem Jetstrahl jedes beliebige Ziel in Gedankenschnelle erreicht werden.

Folgen gab es aber offensichtlich in ganz anderer Hinsicht ...

Soweit bisher bekannt ist, erreicht der Einflußbereich eines Kosmonukleotids einen Durchmesser von rund fünfzig Millionen Lichtjahren. Vereinfachend wird davon ausgegangen, daß es sich um eine kugelförmige Zone handelt, obwohl keineswegs ausgeschlossen ist, daß die »Oberfläche« dieser Sphäre ausgebeult und eingebuchtet sein könnte. Bis zu einem gewissen Grad wird es auch eine Überlappung mit den Sphären der übrigen Kosmonukleotiden zumindest des gleichen Kosmogens geben.

Unklar ist jedoch, ob das Kosmonukleotid im Zentrum seiner Sphäre positioniert zu sein hat oder nicht. Schließlich sagt die im vierdimensionalen Standarduniversum beobachtete Ausdehnung und Positionierung herzlich wenig darüber aus, wie diese im übergeordneten Kontinuum »aussieht«. Bekannt ist ja, daß Moralischer Kode und seine Kosmonukleotide – als in der Tiefe verankerte, aber letztlich im übergeordneten Kontinuum angesiedelte Informationspools mit vierdimensionalen »Abdrücken« – multiversal sind und demnach nicht nur im Standarduniversum, sondern auch in anderen Universen ihre Wirkung entfalten (siehe PR-Kommentar 2078).

Aus dem Beispiel der Rückkehr von TRIICLE-9 an seinen »angestammten Platz« läßt sich in dieser Hinsicht nichts Schlüssiges herauslesen: Als das Kosmonukleotid nach der Lösung der Verankerung durch die Aktivierung der Chronofossilien über die Grube wieder Eingang ins Kosmogen fand, entsprach diese Position zwar dem Ursprungsstandort rund 2,8 Millionen Lichtjahre von der Galaxis Behaynien entfernt – aber die von Perry Rhodan als »graue Blase von Tausenden Lichtjahren Durchmesser« wahrgenommene Zone der Negasphäre, die nach dem Verschwinden von TRIICLE-9 entstand, war mit diesem Ort nicht identisch (siehe PR 1271).

Auch für die Einflußsphäre DORIFERS gilt, daß das Kosmonukleotid keineswegs das geometrische Zentrum ist, sondern am Rand liegt: Immerhin erstreckt sich der Wirkungsbereich ebenso auf die Lokale Gruppe mit der Milchstraße wie auf die davon rund vierzig Millionen Lichtjahre entfernte Zwölf-Galaxien-Mächtigkeitsballung ESTARTUS, während Druithora (M 87/NGC 4486) und Gruelfin (M 104/NGC 4594) im Grenzbereich oder gar schon außerhalb liegen.

Die Frage ist, ob diese beiden aufs engste miteinander verknüpften Beispiele als »Normalfall« gewertet werden können. Es mag zwar bloße Spekulation sein, aber die Wahrscheinlichkeit, daß die »Unwucht« der DORIFER-Sphäre nicht der normalen, natürlichen Einflußsphäre entspricht, gewinnt Gewicht, wenn wir uns die Ereignisse rings um den Frostrubin und seine 2,2 Millionen Jahre dauernde Verankerung durch die Porleyter vor Augen führen: Nur rund 20,46 Millionen Lichtjahre von DORIFER entfernt hat sich nämlich ein zweites Kosmonukleotid im Wirkungsbereich DORIFERS »eingenistet« – und das kann eigentlich schwerlich ohne Wechselwirkungen geblieben sein.

Mit anderen Worten: Vor der Verankerung des Frostrubins war der Einflußbereich vielleicht wirklich kugelsymmetrisch mit DORIFER als Zentrum, doch diese Zone verschob sich im Laufe der Zeit genauso, wie sich gleichnamige Magnetpole abstoßen, was wiederum Folgen auf die übrigen Kosmonukleotide des Kosmogens DORIICLE gehabt haben dürfte. Vor allem aber bedeutet es, daß die Lokale Gruppe mit der Milchstraße ursprünglich zu einem ganz anderen Kosmonukleotid »gehörte« ...

Damit nicht genug: Die Porleyter-Aktivitäten vor rund zwei Millionen Jahren, mit denen im Solsystem – das der Ritter der Tiefe Permanoch von Tanxbeech damals Frenczy genannt hatte (siehe PR 1709 und ATLAN-Buch 16) – ein Durchbruch zur Minusseite des Standarduniversums verbunden war, und auch das Eindringen des Suprahet-Sternenfressers um 1,18 Millionen Jahre vor Christus in die Milchstraße haben ebenfalls Wirkungen gehabt, auf die das Kosmonukleotid reagierte.

Ganz ohne Zweifel kam es beim Ausbrüten potentieller Zukunfts-Alternativen schon zu Negativ-Aspekten, lange bevor die NARGA SANT vor rund 54.000 Jahren den Sprung von Tarkan ins Standarduniversum machte und DORIFER zu der Anhebung der Psi-Konstanten veranlaßten. Das wiederum bedeutet aber, daß das durch die Paratau-Deflagration und den Transit Hangays verursachte »Dichtmachen« DORIFERS nur ein Teilaspekt gewesen sein kann. Mindestens ebenso großen, wenn nicht sogar größeren Einfluß muß das Verschwinden des Frostrubins aus dem DORIFER-Einflußbereich nur kurz zuvor gehabt haben – vielleicht mit langfristigen und umfangreicheren Folgen, die noch gar nicht abzusehen sind ...

Rainer Castor