PERRY-RHODAN-Kommentar 2013


VON DER ALTEN ZUR NEUEN USO (II)


Mitte 2328 zeichnete sich der Zerfall des Vereinten Imperiums ab, nachdem bereits im März die Akonen ihren Austritt erklärt hatten. Im November brach die Galaktische Allianz dann endgültig auseinander; Springer, Aras und Arkoniden kündigten das Bündnis auf. 2329 zerbrach das Vereinte Imperium endgültig, und das Solare Imperium war jetzt wieder auf sich alleine gestellt.

Verbunden damit war zwangsläufig auch eine Umorientierung der USO – vor allem mit Blick auf ihre Finanzierung. In einer geheimen Verhandlung zwischen Perry Rhodan und Atlan bot der Großadministrator am 12. August 2328 an, daß Homer G. Adams’ General Cosmic Company (GCC) fünfzig Prozent ihres Reingewinns zur Verfügung stellen würde. Der »Haken« aus Atlans Sicht war nur, daß, so Rhodan wörtlich, wir naturgemäß nicht daran interessiert [sind], dich für andere Völker arbeiten zu sehen (nachzulesen in PERRY RHODAN 179).

Die Ereignisse um die Plophoser und Iratio Hondro verhinderten – neben Atlans Skepsis, sich in eine solche totale Abhängigkeit zu begeben – das Zustandekommen eines Vertrages. Später wurde die zuvor in Kraft befindliche Zehn-Prozent-Regelung vom Solaren Imperium beibehalten, und von der USO eigene Finanzierungsanstrengungen unternommen; schließlich gab es Hunderte, wenn nicht Tausende »kleinerer« und im allgemeinen neutraler Völker, die – für einen gewissen Finanzierungsbeitrag – den Eingreif- und Ordnungsfaktor der USO in Anspruch nahmen.

Mit Blick auf das hauptsächlich mit Lepso verbundene Stichwort der Verlagerten Front, zu der die Bekämpfung des galaktisch organisierten Verbrechens gehörte – unter anderem in der Condos Vasac auch nach Zerschlagung des von den Grossarts beeinflußten »militärischen Arms« einer der galaktischen Hydraköpfe –, fand die USO ein wichtiges Betätigungsfeld, das ihr Ansehen und Anerkennung bei vielen Völkern einbrachte und, trotz aller Nähe zum Solaren Imperium, dennoch den weitgehend unabhängigen Status sicherte.

Bis zum Jahr 2359 fand die Ausbildung der USO-Spezialisten auf dem Planeten Fossil statt, anschließend auf USTRAC (United Stars Trainings Center); Ausbildungsdauer waren in der Regel zehn bis dreißig, als Standard galten zwölf Jahre.

Es gab ein militärisches Rangsystem, doch für die USO-Mitglieder wog die Bezeichnung »(USO-) Spezialist« deutlich mehr, kennzeichnete sie doch die Elite. Zum Stichtag 15. August 2400 unterhielt die USO insgesamt 182 Geheimstationen, nach dem Grad der Bedeutung von 1 an numeriert; Zentrale und Hauptquartier an einer strikt geheimgehaltenen Position war die Basis USO-I, besser bekannt als Quinto-Center.

Mit dem Abfall von 410 Welten nach der Dolan-Krise am 14. Oktober 2437 mußte die USO sich erneut umorientieren; denn in der Folgezeit lösten sich weitere Siedlungswelten aus dem Solaren Imperium. Es entstanden die Nachfolgegruppierungen ehemaliger Terra-Kolonien: Zentralgalaktische Union (ZGU), bei den Ertrusern der Carsualsche Bund, das Imperium Dulaimon (aus dem später das Imperium Dabrifa hervorging), die Fracowitz-Systemstaaten, die Ross-Koalition, der Shomona-Orden und die Tarey-Bruderschaft.

Auf Olymp erlebten die Freihändler einen beachtlichen Aufschwung, hinzu kamen die Plophoser (bis zum Panither-Aufstand Ende Februar 2931), als sogenannte Systemautarke umschriebene Einzelwelten oder -systeme, und als kleinere Gruppen die Piraten, Wissenschafter, Prospektoren und Nomaden. Nicht zu vergessen die stets aktiven Verbrechersyndikate aller Völker.

Terra machte in den Jahren nach 2437 den Siedlungswelten Zugeständnisse. Das verzögerte den weiteren Abspaltungsprozeß und verhinderte den sofortigen Ausbruch eines Bruderkriegs. Sie übten zwar Druck aus, aber den konnte Terra ertragen. Im Gegensatz dazu hätte eine totale Abkapselung – die mit Hilfe der Posbis durchaus möglich gewesen wäre – die abgefallenen Siedlungswelten zum raschen Handeln, also einer militärischen »Lösung« gezwungen.

Daß vor diesem Hintergrund die anderen Machtgruppen in der Galaxis, insbesondere Springer, Aras, Akonen und Báalols, die übrigen mehr als 3000 zum ehemaligen Großen Imperium der Arkoniden zählenden Völker und – in geringerem Maß – die Blues, eigene Aktivitäten entfalteten, um den verhaßten Gegner weiter zu schwächen, war nur zu verständlich. Verstärkt aus Andromeda einwandernde Tefroder (einschließlich ihrer Spoctara-Agenten), die sich in der Eastside rund um Neu-Tefa ansiedelten, bereicherten das Konglomerat der Interessen, Einflüsse, Intrigen, Untergrundaktionen und illegalen Aktivitäten.

Einziger Vorteil von USO und Solaren Imperiums war, daß die Gegner keine geschlossene Front bildeten, sondern jeder für sich – und oft genug gegeneinander – ihr eigenes Süppchen zu kochen versuchten. Bekanntermaßen verderben aber viele Köche den Brei ...

In diesen Jahrhunderten wurde von Atlan der übergeordnete Status USO noch mehr betont. Hintergrund war, daß traditionell ein Großteil der USO-Spezialisten umweltangepaßte Kolonialterraner waren. Um Loyalitäts- und Gewissenskonflikte zu vermeiden, mußte Atlan die Zielsetzungen der USO erweitern und auf eine höhere Ebene stellen. Die Anbindung an das Solare Imperium wurde weniger eng – auch wenn dies zum Unmut terranationalistischer Kräfte innerhalb der USO geschah, bis hin zu einem Putschversuch (PERRY RHODAN Taschenbuch 382).

Mit der Flucht von Erde und Mond vor den Laren durch den Sol-Kobold-Sonnentransmitter und ihr Verschwinden im Jahr 3460 war schließlich die letzte Phase der Alten USO verbunden: Als auf Gäa in der Provcon-Faust im Jahr 3500 das Neue Einsteinsche Imperium (NEI) im Sinne eines Rechtsnachfolgers des Solaren Imperiums mit Atlan als Prätendent gegründet wurde, waren zum 31. Dezember 3499 faktisch die Strukturen von Solarem Imperium und USO erloschen. Fortsetzung folgt im nächsten PRK.

Rainer Castor